02.04.2008 - 5 Integrationskonzept für die Stadt Hagen
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5
- Sitzung:
-
Sitzung des Seniorenbeirates
- Gremium:
- Seniorenbeirat
- Datum:
- Mi., 02.04.2008
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB55 - Jugend und Soziales
- Bearbeitung:
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Zusammenfassung des Diskussionsergebnisses:
Herr Klein verweist auf die Vorlage der Verwaltung und macht darauf
aufmerksam, dass insbesondere der Punkt 2.7 für den Seniorenbeirat von
besonderer Bedeutung sei. Er begrüßt Frau Kostewitz von der regionalen
Arbeitsstelle für ausländische Kinder und Jugendliche - RAA.
Frau Kostewitz erläutert die Entstehung der Vorlage. Das Land NRQW ist
das erste Bundesland, welches ein Ressort im Ministerium für Familie, Frauen,
Gesundheit und Integration eingerichtet hat und Ende 2006 einen Aktionsplan zur
Integration vorgelegt hat. Sie hebt hervor, dass im Bereich der Integration
große Defizite bekannt sind und vordringlicher Handlungsbedarf bestehe. Sie
erläutert die Hagener Situation. Demnach lebt in der Stadt Hagen jeder 4.
Einwohner mit einem Migrationshintergrund. Stadtteile mit besonderer
Problematik wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsproblemen, Armut etc. sind
ausnahmslos Stadtteile mit besonders hohen Migrantenanteilen. Hierzu zählen
insbesondere die Stadtteile Wehringhausen, Oege, Nahmer und Vorhalle. Migranten
sind doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Einheimische,
Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte bleiben häufiger ohne Lehrstelle; sie
stellen zur Zeit in Hagen nur 8% der Abiturienten. Frau Kostewitz erläutert
ferner ausführlich Funktion und Aufgaben der RAA.
Das Aktionsprogramm der Landesregierung enthält folgende Schwerpunkte:
-
im
Bildungsbereich die Sprachförderung, den Ausbau von Ganztagsschulen und Familienzentren,
-
im
gesellschaftspolitischen Bereich die Einbürgerung und der Religionsunterricht,
-
im
kommunalen Bereich der Stadtumbau Soziale Stadt, kommunales Integrationsmanagement
( KommIn ) und die Bildung von Integrationsagenturen.
Auf diesem Gesamthintergrund ist die Entstehung der Vorlage zu verstehen.
Die Verwaltung hat deutlich gemacht, dass zur Entwicklung eines Gesamtkonzeptes
eine Vielzahl von Akteuren erforderlich sind. Die erste Integrationskonferenz
im Juni 2007 war geprägt vom Engagement und der Präsens einer Vielzahl von
Initiativen und Organisationen, die Zielgruppen der Migranten wurden dagegen
nicht erreicht. Aus diesem Grunde sollen nunmehr Integrationskonferenzen in den
Stadtteilen durchgeführt werden. Auch sollen alle in Hagen vorhandene
Integrationsangebote im Rahmen einer Internet-Plattform dargestellt werden.
Herr Klein bedankt sich bei Frau Kostewitz für die Ausführungen.
Herr Thielmann macht deutlich, dass er der Beschlussfassung der
Verwaltung ablehnend gegenübersteht. Im Detail geht er darauf ein, dass für ihn
Integration er wichtigste Punkt der demografischen Entwicklung ist, generell
und besonders in Hagen. Er vertritt außerdem die Auffassung, dass der
vorliegende Sachstandsbericht zu beraten und nach Prüfung zur Kenntnis zu
nehmen ist und nicht umgekehrt. Er versäumt konkrete Aussagen über die
Finanzierung, auch wenn in der Vorlage die Sparkassenspende hervorgehoben wird.
Die Aussage der Vorlage, dass keine finanziellen und personellen Auswirkungen
entstehen, hält er für fragwürdig. Er möchte auch gerne wissen, welche freien
Träger und Migrantenvereine beteiligt wurden und welche Bewertung sie zu diesem
Konzept abgegeben haben. Unter Hinweis auf die Kurzfassung auf Seite 3 rät er
dem Seniorenbeirat dringend, das vorliegende Konzept zurückzuweisen. Er
unterstützt die Empfehlung mit dem Hinweis, dass eine Koordination zur
Umsetzung des Konzeptes innerhalb der Verwaltung nicht zu erkennen ist. Er
stellt in Frage, wann diese Koordination erfolgen wird. Bezüglich der
Zielgruppen, die laut Vorlage nur unter Schwierigkeiten zu benennen sind,
stellt er fest, dass weitere Kategorien zu Hilfe genommen werden müssen, jedoch
nicht definiert wird, welche Kategorien in Frage kommen. Auch die
Migrantenvereine würden in den Gesprächen kaum als aktive Betreiber von
Integrationsarbeit gesehen; er hält dieses für eine der wichtigsten Aufgaben
des Integrationsrates. Herr Thielmann bemängelt u.a. Formulierungen wie
„Wer nicht ausgrenzt, muss nicht integrieren“ und stellt fest, dass
eine Ausgrenzung durch ihn und andere Hagener Bürger nicht stattfindet.
Vielmehr werde versucht, eine Integration herbeizuführen. Er verweist auf die
Diskussionen in der Integrationskonferenz, wonach es sich schwierig gestaltete,
eine politische Leitlinie für die Zukunft zu fassen. Er vermisste außerdem die
Mitglieder des Integrationsrates.
Abschließend fasst er das Ergebnis dahingehend zusammen, dass ihm
zukunftsweisende, kostenehrliche Maßnahmen fehlen und kritisiert, dass seitens
der Verwaltung diese Vorlage in den politischen Gremien vorgelegt wird. Dass
man mit dem Integrationskonzept noch nicht so weit sei, müsse vielmehr
eingestanden werden.
Herr Kramps stimmt teilweise mit den Ausführungen von Herrn Thielmann
überein, bewertet die Vorlage jedoch nicht als so krass und negativ wie
dargestellt. Vielmehr sieht er in dieser Vorlage ein erstes Konzept, welches
noch weiterentwickelt werden muss. Da der Seniorenbeirat den übrigen Gremien
vorgeschaltet ist, empfiehlt er, sich in erster Linie mit Ziffer 2.7
„Ältere Migranten in Hagen“ auseinanderzusetzen. Herr Kramps vermisst
ebenso wie Herr Thielmann eine detaillierte Kostenaufstellung, da aus der
Vorlage nicht zu entnehmen ist, welche Anteile der Finanzierung über die
Sparkassenspende, die RAA bzw. über die Stadt zu erfolgen haben. Ohne nähere
Ausführungen zu der allgemeinen Vorlage hält Herr Kramps die Ausführungen zu
den älteren Migranten in Hagen im Großen und Ganzen für zufrieden stellend,
wobei auch hier im Detail eine Überarbeitung erfolgen sollte.
Auch Frau Klenke betrachtet die Vorlage als Grundlagenkonzept, anhand
dessen eine weitere Entwicklung erfolgen könne. Frau Kostewitz bestätigt, dass
sie die Anregungen gerne weitergibt. Sie weist darauf hin, dass die Verwaltung mit
dieser Vorlage erst am Anfang eines Entwicklungsprozesses stehe. Zu den Kosten
erklärt Frau Kostewitz, dass sie die Höhe nicht nennen könne, stellt aber
anhand des Rucksackprojektes fest, dass von der RAA vergleichsweise geringe
Kosten übernommen werden. Es müsse auch bedacht werden, dass manche Projekte
durch eine Landesfinanzierung angestoßen werden. Wie die nicht gedeckten Kosten
von der Verwaltung umgelegt werden, müsse von der Politik entschieden werden.
Herr Verrieth stellt dar, dass es in Hinblick auf ältere Migranten
außerordentlich schwierig gewesen sei, sensibles Datenmaterial
zusammenzutragen. Weiterhin ergeben sich Fragestellungen zu den Bedürfnissen
älterer Migranten, da diese Zielgruppe
in naher Zukunft in einer anderen Größenordnung in Hagen vertreten sein wird.
Herr Klein stellt zusammenfassend mit, dass die Problematik einer
Datenerfassung bereits schon im Altenplan 2000 erwähnt worden ist und sich
seither keine Weiterentwicklung ergeben hat. Im Übrigen sei es außerordentlich
schwierig, an bestimmte Migrantengruppen heranzukommen.
Herr Wegener empfiehlt, die Beratung als erste Lesung zu betrachten und
sich mit der Thematik der älteren Migranten zukünftig intensiver zu befassen.
Dabei müsse recherchiert werden, welche Prioritäten gesetzt und welche
Personengruppen in Betracht kommen sollen.
Herr Kilic kritisiert, dass die Vorlage in diesem Gremium bemämgelt wird,
zumal die Problematik aus allen Bereichen wie Bildung, Beruf, Kultur etc. in
der Vorlage ausführliche Berücksichtigung gefunden haben und die
Migrantenorganisationen an der Konzeptentwicklung beteiligt worden sind. Er
räumt ein, dass selbstverständlich Kosten entstehen werden, wenn das Konzept
vom Rat beschlossen wird und einzelne Maßnahmen umgesetzt werden. Wie Herr
Klein geht er darauf ein, dass keiner der Migranten gezwungen werden könne,
seine kulturelle und religiöse Identität aufzugeben.
In der nachfolgenden Diskussion, an der sich Herr Kilic, Herr Klein, Frau
Kostewitz und Herr Kramps beteiligen, geht es um die Frage, inwieweit Aus- und
Übersiedler mit erfasst werden können. Dabei wird festgestellt, dass auch hier
ausreichendes Datenmaterial nicht zur Verfügung steht, bzw. bereits viele
Bürger mit Migrationshintergrund über
einen deutschen Pass verfügen. Herr Klein warnt davor, die eigene Kultur
unserer Gesellschaft kritiklos auf ausländische Mitbürger zu übertragen,
insbesondere wenn dieses nicht gewünscht ist. Er verweist auf die Ziffern 2.,
4. und 7. des Beschlussvorschlages, wonach die Verwaltung beauftragt wird, das
Integrationskonzept wie in der Vorlage beschrieben weiterzuentwickeln, dass
zunächst für den Stadtteil Wehringhausen eine Stadtteilintegrationskonferenz
durchgeführt und dann ein weiterer Sachstandsbericht im Mai 2009 erwartet wird.
Vor diesem Hintergrund könne der vorliegende Sachstandsbericht zur Kenntnis
genommen werden, so dass er über den Beschlussvorschlag wie folgt abstimmen
lässt:
