10.12.2008 - 3 Rechtsformänderung Theater/Orchesterhier: Vorla...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3
- Gremium:
- Kultur- und Weiterbildungsausschuss
- Datum:
- Mi., 10.12.2008
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 16:00
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 46 Theater Hagen/Philharmonisches Orchester Hagen
- Bearbeitung:
- Claudia Spiegel
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Vor dem Vortrag von Herrn Schöne möchte Herr
Gerbersmann noch einige einführende
Worte zu der Vorlage verlieren.
Es gehe heute nicht darum, eine
Richtungsentscheidung zu treffen, sondern darum, einen Sachstand und einen
Überblick über die einzelnen Organisationsformen zu liefern.
Außerdem wolle man auch von den KWA-Mitgliedern
hören, in welchen Bereichen noch Vertiefungen für die Vorlage im März gewünscht
werden.
An dieser Stelle weist Herr Gerbersmann
auch auf die ausgelegte Stellungnahme des Personalrates hin, die auch in die
Beratung mit einfließen soll. (Anlage 2 der Niederschrift)
Sollte es also noch Bereiche geben, die näher
beleuchtet werden müssen, könne man das der Verwaltung heute mit auf den Weg
geben. Das Thema „Zuwendungen“ habe man bereits selber schon mit
aufgenommen, es müsse noch Kontakt mit der Steuerabteilung aufgenommen werden,
um zu klären, bei welchen Organisationsformen Zuwendungen und auch
Beteiligungen steuerlich geltend gemacht werden können.
Außerdem verweist er noch darauf, dass eine
reine Rechtsformänderung zunächst einmal kein Geld spare, da sich dadurch an
den Strukturen und den Personalkosten des Theaters nichts ändere.
Frau Kramps bezieht sich auf den Zeitplan, den man
vorgelegt bekommen habe. Sie erinnere sich genau daran, dass der KWA den Wunsch
geäußert habe, der Entwurf der Synopse solle auch bereits Erfahrungsberichte
der anderen Theater enthalten.
Daher hätte man dem Zeitplan entsprechend heute
gerne schon Erfahrungswerte der Theater Münster, Wuppertal und Bochum gehört.
Sie erinnert auch an die vorgesehene
Installierung der Arbeitsgruppe, die in wöchentlichem Arbeitsrhythmus arbeiten
sollte. Sie sei überrascht, dass Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe nicht in der
Vorlage enthalten seien, zumal die Verwaltung ihrer Meinung nach Zeit genug
gehabt habe.
Weiterhin möchte sie hier noch einmal bestätigt
sehen, dass die reine Rechtformänderung allein durch das Theater erarbeitet
wird und keine externe
Beratungsgesellschaft beauftragt werden soll.
Herr Gerbersmann betont noch einmal, es
liege hier eine Synopse vor, Herr
Schöne habe die Gespräche geführt und die Arbeitsgruppe sei eingerichtet worden
und habe auch getagt.
Herr Schöne könne dazu berichten
und man wolle auch gerne, wenn es gewünscht werde, bis März über die Vor- und
Nachteile, die andere Theater erfahren haben, berichten.
Zum Thema „Beratung“ habe man in der Tat nicht vorgehabt,
sich eine generelle Beratung zu besorgen um Vor- und Nachteile darzustellen.
Wenn der KWA allerdings eine Richtungsentscheidung treffen würde,
beispielsweise in Richtung einer GmbH, dann sei ein entsprechender
Gesellschaftsvertrag zu verfassen, eine Eröffnungsbilanz zu erstellen und
einiges mehr. Dazu könne es erforderlich werden, einen Steuerberater hinzuzuziehen
oder einen Gesellschaftsvertrag noch einmal extern überprüfen zu lassen. Es sei
aber keine pauschale Beratung, das sei damit nicht gemeint gewesen.
Jetzt müsse zunächst eine Entscheidung vom KWA getroffen werden, in
welche Richtung es denn gehen solle.
Herr Schöne erläutert, die
Theater Münster, Wuppertal und Bochum seien als Beispiele hier angeführt
worden, um deren Erfahrungen und Problematiken mit in die Arbeitsgruppe
einfließen zu lassen. Da in der Verwaltung nur begrenztes Personal für
derartige Untersuchungen zur Verfügung stehe, habe der Hauptaufgabenbereich
daher auch im Theater gelegen.
Die geforderte vergleichende Darstellung liege hier vor. Man habe die
rechtliche Konstellation und die Erfahrungen aus anderen Theatern
zusammengestellt, um eine Entscheidungsgrundlage zu liefern.
Er erläutert ausführlich die einzelnen dargestellten Rechtsformen und
hält am Ende fest, dass die kontaktierten Theater ganz klar gesagt haben, dass
eine monetäre Entlastung nicht sofort bei Umstellung der einzelnen Bereiche
eintreten wird. Es könne eventuell im Laufe der Zeit durch die durchgeführten
organisatorischen Änderungen dazu kommen, dass man kostengünstiger arbeiten
kann, Personal und Sachkosten einspart, was dann zu einer Entlastung des
Budgets führe.
Auf die einzelnen Vergleiche der Rechtsformen möchte er an dieser Stelle
nicht weiter eingehen, vertiefende Fragen des KWA werde er aber gerne versuchen
zu beantworten. Weitere Bereiche oder
angesprochene Probleme werde man möglichst bis zur Entscheidung im März 2009
aufbereiten.
Mit den bereits angesprochenen anderen Theatern habe es ausführliche
Gespräche gegeben, die in einer vertraulichen Atmosphäre geführt worden seien.
Bestimmte Dinge daraus könne man nicht im Rahmen einer öffentlichen Sitzung
ohne Weiteres diskutieren.
Vom Grundsatz her könne er einen Erfahrungsbericht bis zur nächsten
Sitzung zusammenstellen, wenn es gewünscht werde, er könne aber auch Eckpfeiler
der Bereiche jetzt hier darstellen, soweit es möglich sei.
Frau Kramps stellt klar,
es gehe um Erfahrungsberichte anderer Theater, nicht um Namen oder andere
vertrauliche Dinge. Man wolle nur ein Gefühl für die Thematik bekommen, damit
Hagen nicht die gleichen Fehler mache wie andere Theater.
Sie fragt, ob Herr Schöne etwas dazu sagen könne, wie hoch denn
erfahrungsgemäß die Entlastung der anderen von ihm besuchten Theater sei.
Kurz zusammengefasst antwortet Herr Schöne, in den Theatern
Münster und Bochum habe die Veränderung der Rechtsform in beiden Fällen zu
Mehrkosten geführt, in Wuppertal seien die Kosten gleich geblieben, was dazu
geführt habe, dass man dieses Theater wieder in der gleichen Form führe, wie
vorher.
Herr Schöne stellt nun die
Erfahrungen der drei genannten Theater ausführlich dar.
Fazit sei, dass Münster mit Beginn der Spielzeit 2009/2010 als
Eigenbetrieb geführt werde. Insgesamt haben die Umstellungsmaßnahmen dort
120.000 € gekostet, im organisatorischen Bereich werde demnächst der
gesamte finanztechnische Bereich innerhalb des Theaters liegen, daher habe man
dort einen externen Finanzbuchhalter zusätzlich eingestellt.
Das Schauspielhaus Bochum sei mit externer Begleitung vom Regiebetrieb in
die Rechtsform der Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt worden, die
Personalübernahme sei 1:1 erfolgt. Auch Bochum habe durch die Änderung vier
neue Planstellen bekommen. Die ersten Erfahrungen hier seien ausgesprochen
positiv. Dennoch müssen auch dort weiterhin nicht unerhebliche
Budgeteinsparungen erbracht werden.
Das Theater Wuppertal sei gemeinsam mit Gelsenkirchen als GmbH geführt
worden. Dieser Verbund sei aus vielerlei Gründen gescheitert. Wuppertal sei
zurückgeführt worden und werde nun als
GmbH weitergeführt. Die kaufmännische Buchführung habe dort nicht zu Problemen
geführt, es gebe dort jährliche Budgetvereinbarungen mit der Stadt.
Frau Kramps hält diese
Ausführungen für sehr aufschlussreich. Sie möchte wissen, ob es auch beim
Theater Wuppertal eine Personalausweitung gegeben habe.
Diese Frage wird von Herrn Schöne verneint.
Herr Hartmann bedankt sich
bei Herrn Schöne für diesen Bericht.
Eine Sache interessiert ihn für die Entscheidungsfindung im März
besonders. Er erinnert an den Anbau der Theaterwerkstätten, des OPUS und des
LUTZ vor einigen Jahren, das habe seinerzeit ca. 14 Mio. DM gekostet. Gehe man von einer 25-jährigen Abschreibungsfrist
aus, habe man mit dem Gebäude des Theaters bilanziell noch ungefähr 16 Jahre zu
tun. Für die nächste Vorlage interessiere ihn dieses Problem speziell. Er
möchte wissen, wie sich diese Frage
bilanziell bei einer neuen Rechtsform darstelle. Auch hier müsse man großes
Fingerspitzengefühl walten lassen.
Herr Dr. Fischer hält
fest, vorhin im Vortrag habe Herrn Schöne bei zwei Theatern von Stellenvermehrung
gesprochen. Stellenvermehrungen müssten ja nicht zugleich auch Mehrausgaben
bedeuten. Wenn ein Budget gedeckelt werde, komme eben nichts mehr hinzu und
müsse woanders abgezogen werden. Diesen Zusammenhang hätte er gerne noch einmal
erklärt.
Nach den Informationen von Herrn Schöne hat man bei den
Budgetverhandlungen diese erhöhten Personalkosten auch entsprechend
mitverhandelt, das heißt, sie wurden entsprechend aufgesattelt.
Frau Suda ist froh, dass
diese Vorlage nun endlich vorliegt. Sie hätte sich allerdings auch gewünscht,
dass man noch mehr Informationen über das Für und Wider erhalten hätte, sie
denke aber, das komme noch.
Sie spricht die Umwandlungen der Theater im ganzen Land an.
Beispielsweise sei der gesamte Kulturbereich der Stadt Halle in eine GmbH
umgewandelt worden und es seien dort auch schon Einsparergebnisse vorgestellt
worden. Es müsse also möglich sein, durch bestimmte Rechtsformen auch Einsparungen
zu erzielen. Ob sie das Volumen erreichen, das sich der Mentor vorstellt, wage
sie zu bezweifeln. Sie ist der Meinung, man müsse den Versuch einfach wagen.
Außerdem möchte sie wissen, wer denn der Arbeitsgruppe nun angehört hat.
Man habe ja bereits mehrere Eigenbetriebe gegründet, daher sollte es eine
gewisse Kompetenz in der Verwaltung geben.
Herr Schöne berichtet, die
Arbeitsgruppe habe unter seiner Leitung getagt, beteiligt waren seine
Mitarbeiterin Frau Heek, das Amt für Beteiligungen und ein Vertreter des SEH.
Verschiedene andere Bereiche hätten sich dann nicht in der Lage gesehen,
zeitnah mitzuarbeiten. Außerdem seien Vertreter der Personalräte beteiligt
gewesen.
Zu bestimmten Fragen würde Herr Fritzsche noch gerne weitere
Details erfahren, dies betreffe Fragen zu den steuerlichen Aspekten, zum
Bereich der flexiblen Personalwirtschaft und zu den Überleitungsverträgen.
Ihm sei vor dem Hintergrund des guten und ausführlichen Berichtes von Herrn
Schöne eines klar geworden, nämlich dass eine solche Umgliederung ein ein-
bis zweijähriger Prozess sei.
Man sollte nun schauen, ob die Fragen, die aufgetreten seien, mit eigenen
Bordmitteln beantwortet werden können. Sollte das nicht der Fall sein, sollte
man sich schon externen Sachverstandes bedienen. Bei den anderen Ausgründungen
(SEH und HEB) sei das auch der Fall gewesen.
Frau Kramps hört heute
auch zum ersten Mal, dass die Arbeitsgruppe nicht so zusammengesetzt war, wie
man sich das gewünscht hätte und ist darüber enttäuscht. Man wolle dann mit Herrn
Gerbersmann und Herrn Schöne zusammen klären, ob diese Mitarbeit nicht verstärkt werden könnte. Der Sachverstand der Verwaltung in diesen Dingen
müsse mit einbezogen werden, sonst werde es nicht funktionieren. Dies sage sie
zu, man werde Herrn Schöne nicht allein lassen.
Herr Gerbersmann geht auf
die Einwendungen von Frau Suda ein und betont, dass in der Rechtsform
einer GmbH möglicherweise Synergien entstehen, dass aber auf keinen Fall die
Mitbestimmungsrechte ausgeschaltet werden. Zudem sei bei den externen Einstellungen
darauf zu achten, dass nicht am Ende völlig fachfremdes Personal bei der Stadt
weiter beschäftigt werden müsse.
Er möchte auch das Thema „Zeitplan“ und „externe
Beratung“ noch einmal aufgreifen. Er glaubt, dass es sicher möglich ist,
bis zum Sommer nächsten Jahres eine Entscheidung über die Rechtsform zu
treffen. Allerdings müsse klar sein, dass die Arbeit dann erst beginne. Jede
Änderung der Rechtsform werde sich nicht innerhalb von drei Monaten umsetzen
lassen, weil ein großes Paket an Vorarbeiten zu erledigen sei. Das sei auch
spätestens der Zeitpunkt, an dem man externe Hilfe werde haben müssen.
Das alles sei letztendlich auch davon abhängig, was der KWA nun für eine
Entscheidung treffen werde und welche Dinge untersucht werden müssten. Bis zur
Umsetzung der Entscheidung werde dann sicher noch ein weiteres Jahr ins Land
gehen, dies sei auch die Erfahrung aus anderen Häusern.
Herr Jobst bedankt sich
zunächst bei Herrn Schöne für diese Übersicht. Für eine Entscheidung
brauche der KWA die Darstellung der Probleme und Auswirkungen der verschiedenen
Rechtsformen bezogen auf die Stadt Hagen.
Er fragt, ob er richtig verstanden habe, dass das Rechnungswesen für das
Theater einfacher wäre, wenn es zum Eigenbetrieb oder zu einer Anstalt des
öffentlichen Rechts kommen würde.
Herr Schöne antwortet,
Hauptpunkt beim Rechnungswesen sei das abweichende Wirtschaftsjahr. In zweiter
Linie sei eine eigenständige Kosten- und Leistungsrechnung für das Theater von
hoher Wichtigkeit, denn die sei in den NKF- und SAP-Bereich nicht so ohne
weiteres einzuordnen.
Er geht an dieser Stelle auch noch auf das angesprochene Thema der
Umsatzsteuer ein. Dafür bedürfe es einer vertieften Betrachtungsweise, damit
müsse man sich befassen, wenn feststehe, in welche Richtung es gehen werde.
Herr Jobst fragt nach, ob
man davon ausgehen könne, dass die Erfahrungen, die in Münster, Bochum und
Wuppertal gemacht werden, noch einmal kurz zusammengefasst werden und dass
dargestellt werde, was die Untersuchungen im Einzelnen für Hagen bedeuten.
Dies wird von Herrn Schöne zugesagt.
Herr Gerbersmann ergänzt
noch, dass in Deutschland kein Theater bekannt sei, das als Genossenschaft
geführt werde. Man habe recherchiert, dass die Genossenschaften in der Schweiz,
die von Herrn Prof. Dr. Bajohr angesprochen wurden, ganz überwiegend von
öffentlichen Genossen getragen werden. Vorteilhaft sei natürlich, wenn sich Nachbargemeinden
beteiligen würden, dies gelte aber auch für die anderen Rechtsformen und man
werde sicherlich Anfang des nächsten Jahres einen solchen Vorstoß wagen.
Beschluss:
Die in der Begründung dargestellten Organisations- und Rechtsformen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen werden zur Kenntnis genommen.
Die Verwaltung wird beauftragt gemäß Arbeits- und Zeitplan eine endgültige Richtungsentscheidung für den KWA am 10.03.2009 vorzubereiten, die eine abschließende Entscheidung des Rates der Stadt zum 25.06.2009 sicherstellt.
Anlagen zur Vorlage
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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(wie Dokument)
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