29.05.2008 - 6.21 Bahnhofshinterfahrung - Prioritätenliste
Grunddaten
- TOP:
- Ö 6.21
- Gremium:
- Haupt- und Finanzausschuss
- Datum:
- Do., 29.05.2008
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 14:05
- Anlass:
- normale Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 23 Fachbereich Immobilien, Wohnen und Sonderprojekte
- Bearbeitung:
- Wolfgang Leste
- Beschluss:
- ungeändert beschlossen
Wortprotokoll
Herr Oberbürgermeister Demnitz bittet um Beachtung des im Beschlussvorschlages
explizit benannten Abschnitts 4 und verweist darauf, dass er die Konsequenzen
bereits zu Beginn der Sitzung vorgetragen hat.
Herr Asbeck erklärt, dass seit langer Zeit bekannt ist, dass die
Bahnhofshinterfahrung für Hagen notwendig ist. Wo diese Maßnahme früher
wünschenswert war, ist sie seit der Umweltproblematik zu einem unbedingten
Erfordernis geworden, wenn die Innenstadt nicht von der Anlieferung abgekoppelt
werden soll. Daher muss die Bahnhofshinterfahrung weiterhin priorisiert werden,
jedoch kann es seiner Auffassung nach nicht sein, das bei Priorisierung der
Bahnhofshinterfahrung auf Jahre hinaus keine weiteren Entwicklungsmaßnahmen
mehr umgesetzt werden können. Herr Asbeck erklärt, dass Mittel und Wege
gefunden werden müssen, um dagegen vorzugehen. Insbesondere kann er nicht
verstehen, dass auch keine Mittel Dritter mehr akquiriert werden können, die
zur Belebung der Stadt beitragen. Hier müsste der Stadt Hagen geholfen werden.
Herr Asbeck sieht ein, dass an der Kostenreduzierung gearbeitet werden muss,
jedoch nicht dort, wo es um die Verbesserung der Problemviertel, wie z. B.
Oberhagen und Wehringhausen, geht. Herr Asbeck fordert die Verwaltung dazu auf,
Mittel und Wege zu suchen, um der Landesregierung deutlich zu machen, was diese
Vorgehensweise auslöst.
Herr Weber stimmt den Aussagen von Herrn Asbeck zu. Er geht noch einen Schritt weiter
in seinen Aussagen, indem es für ihn nicht nachvollziehbar ist, dass - gesetzt
den Fall, die Bahnhofshinterfahrung würde zur Disposition gestellt - keinerlei
Aussage von der Bezirksregierung Arnsberg zu erhalten ist, in welchem Umfang
dann noch Investitionen getätigt werden dürfen. Hier hält er es für geboten,
über alle Parteigrenzen hinweg zu opponieren und der Bezirksregierung Arnsberg
deutlich zu machen, dass man die Stadt nicht in den Stillstand hineinführen
darf, indem man der Hagener Politik jegliche Entscheidungsmöglichkeit entzieht.
Die Ausführungen des Oberbürgermeisters haben Herrn Weber gezeigt, dass -
selbst wenn die Bahnhofshinterfahrung nicht zur Ausführung kommen würde - keine
Möglichkeiten im Bereich "Soziale Stadt Wehringhausen", Oberhagen,
Tierheim und anderen Projekten bestehen. Er stimmt Herrn Asbeck weiter zu, dass
die Kosten reduziert werden müssen, dass die Stadt jedoch auf der anderen Seite
investitionsfähig bleiben muss. Seiner Ansicht nach ist in schwierigen Zeiten,
wie diesen, die Bezirksregierung Arnsberg aufgerufen, sich dafür einzusetzen,
dass dies weiterhin funktioniert.
Für die Bahnhofshinterfahrung und gegen die
Umsetzung kleinerer Maßnahmen plädiert Herr Thielmann. Er geht
diesbezüglich auf die Historie ein und kritisiert, dass die Verwaltung seiner
Ansicht nach mit der Planung und Realisierung der Bahnhofshinterfahrung in den
letzten 10 Jahren nicht weiter gekommen ist. Der Regierungspräsident wird
deutlich aufzeigen, dass entweder die Bahnhofshinterfahrung oder sonst nichts
zur Ausführung kommen kann, daher wird diesbezüglich eine Abwägung der
Notwendigkeit der Bahnhofshinterfahrung - auch im Hinblick auf die weitere
Weiterentwicklung der Stadt - vorgenommen werden müssen. Herr Thielmann geht
davon aus, dass man für einige Jahre damit wird leben müssen, dass außer der
Bahnhofshinterfahrung keine weiteren Maßnahmen zur Ausführung kommen. Denkbar
ist für ihn, diese in abgespeckter Form zur Ausführung zu bringen, zumal der
Regierungspräsident die Kostenexplosion, die hier stattgefunden hat, nicht hat
als seriös empfinden könne. Herr Thielmann plädiert dafür, gemeinsam daran zu
arbeiten, dass die Bahnhofshinterfahrung realisiert werden kann.
Herr Asbeck geht auf die Kritik von Herrn Thielmann gegenüber der Verwaltung ein und
weist diese im Fall der Bahnhofshinterfahrung zurück. Er erinnert daran, dass
bis vor Kurzem keine andere Möglichkeit bestanden hat, als die Trasse über das
Grundstück eines großen Industrieunternehmens mit vielen Arbeitsplätzen zu
legen. Hier hatten Verwaltung und Politik immer die Befürchtung, dies werde
seitens der Firma zum Anlass genommen, das Hagener Werk zu schließen und nach
Siegen zu verlagern, was eine Zeit lang auch in Rede gestanden hat, als es der
Firma wirtschaftlich nicht so gut gegangen ist. Dies hat immer zu Problemen mit
der Realisierung dessen, was seitens der Politik gewollt war, geführt. Mit der
Inaussichtstellung der Stilllegung der Bahntrasse war erst die Möglichkeit der
Durchführung der Maßnahme gegeben. Bezogen auf den gegenwärtigen
Umsetzungsstand erklärt Herr Asbeck, dass man sich auf einem guten Weg
befindet. Entgegen der Sichtweise von Herrn Thielmann ist Herr Asbeck nicht der
Ansicht, dass die Vorgehensweise der Bezirksregierung hingenommen werden
sollte. Als weiteres Beispiel für die Problematik mit der Bezirksregierung
führt er an, das es nicht sein könne, dass man die Ausweisung von neuen
Baugebieten - aufgrund der negativen demografischen Entwicklung - zu
reglementieren sucht, indem für die Ausweisung einer neuen Fläche das
eineinhalbfache an anderer Stelle einzusparen ist, wogegen z. B. die Stadt
Breckerfeld unreglementiert ausweisen darf. Nicht zuletzt aufgrund der
Tatsache, das der Bürger der Leidtragende sein wird, muss aus Sicht von Herrn Asbeck
der Weg zum Ministerium gesucht und eine Lösung, wie man sich zur Wehr setzen
kann, gesucht werden. Die Stadt Hagen darf nicht von der Entwicklung
abgekoppelt werden, indem Landesmittel in Städte, die diese nicht so nötig
haben, wie Hagen, fließen.
Aus Sicht der Verwaltung verweist Herr Grothe
darauf, dass die Verwaltung in den letzten 10 Jahren Bauprojekte (Hasper
Südumgehung 4. Abschnitt, Herrenstraße, Boeler Ortsumgehung) umgesetzt hat, die
dringend notwendig waren. Er kann daher die Kritik nicht nachvollziehen, wonach
die Verwaltung - mit Blick auf die Bahnhofshinterfahrung - nicht richtig
reagiert haben soll. Für die Bahnhofshinterfahrung ist nun alles vorbereitet;
es wurden bereits Planungskosten in Höhe von rd. 1 Mio. € ausgegeben, um
die Verwaltung in den Stand zu versetzen, der Bezirksregierung Arnsberg noch
vor der Sommerpause die Pläne an die Hand geben zu können. Bebauungspläne und
Verträge sind fertig bzw. vorbereitet, so dass die Bahnhofshinterfahrung ab
2009 gebaut werden kann. Herr Grothe erklärt, dass er dringend einen Beschluss
oder zumindest ein Signal aus dem Rat benötigt, um entscheiden zu können, ob
die Arbeiten fortgesetzt werden oder gestoppt werden müssen. Er verdeutlicht,
dass jeder Tag, an dem nicht weiter an dem Projekt gearbeitet wird, mit dem
Risiko, dass dieses nicht umgesetzt wird, verbunden ist und es bei Umsetzung Zeitverzögerungen
auslöst. Herr Grothe bittet um ein Signal, ob die Bahnhofshinterfahrung an die
erste Stelle der Prioritätenliste gesetzt werden soll und erklärt, dass es
innerhalb weniger Tage nicht möglich sein wird, eine Klärung über die anderen,
dort verzeichneten Projekte herbeizuführen. Im Gespräch mit der Bezirksregierung
Arnsberg am 21.05.2008 hat sich gezeigt, dass eine Fortsetzung dieses Gesprächs
zur weiteren Klärung nicht vor Juli / August 2008 wird stattfinden können. Dies
ist für ihn zu spät; eine Entscheidung sollte spätestens in der Ratssitzung am
19.06.2008 getroffen werden.
Herr Weber erläutert - mit Blick auf die Aussagen von Herrn Grothe -, dass der
Politik die Zeit für intensive Fraktionsberatungen eingeräumt werden muss, um
die Abwägung treffen zu können, ob die Bahnhofshinterfahrung es der Politik
wert ist, keine weiteren Investitionen tätigen zu können. Ferner muss geklärt
werden, ob und wenn ja, in welchem Umfang Investitionsmittel zu erhalten sind,
wenn man sich gegen den Bau der Bahnhofshinterfahrung entscheidet. Trotz des
beschriebenen Zeitdrucks sieht sich Herr Weber zum jetzigen Zeitpunkt nicht in
der Lage, seiner Fraktion eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung
empfehlen zu können. In einer so wichtigen Frage ist seiner Ansicht nach kein
Platz für einen Schnellschuss; er möchte die Gelegenheit bis zur Ratssitzung am
19.06.2008 nutzen, um auch mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.
Herr Oberbürgermeister Demnitz erklärt, dass auch er vorschlagen möchte, dass
die Beschlussfassung sowohl über die öffentliche, als auch über die
nichtöffentliche Verwaltungsvorlage erst in der Ratssitzung am 19. bzw.
20.06.2008 erfolgt, damit die Fraktionen die Gelegenheit zur intensiven
Beratung erhalten.
Herr Romberg möchte von Herrn Grothe wissen, ob mit einer Entscheidung bis zur
Ratssitzung am 19.06.2008 gewartet werden kann, zumal bekannt ist, dass seitens
der Deutschen Bahn AG nicht unerheblicher Druck aufgebaut wird und er vermeiden
möchte, dass die Umsetzung der Bahnhofshinterfahrung aus diesem Grund
scheitert.
Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung steht eine
Verwaltungsvorlage zur Vergabe der weiteren Planungsleistungen an, teilt Herr
Grothe mit, die Auskunft über die Abhängigkeiten gibt. Es geht hier um die
Vergabe von Planungsleistungen mit einem Volumen von rd. 440 000 €. Diese
wären nach dem Zeitplan der Verwaltung bereits seit zwei Wochen zu vergeben
gewesen. Man hat allerdings zunächst den Termin mit dem Regierungspräsidenten
am 21.05.2008 abgewartet. Er sichert zu, dass bis zum 19.06.2008 keine Aufträge
vergeben werden.
Herr Oberbürgermeister Demnitz schlägt vor, die Entscheidung auf die
Ratssitzung am 19. bzw. 20.06.2008 zu vertagen.
Bedenken, so zu verfahren, bestehen nicht.
Herr Marscheider ist der Ansicht, dass bis zur Ratssitzung am
19.06.2008 zu klären versucht werden sollte, wie es sich bezüglich der Frage
Bahnhofshinterfahrung ja oder nein und diesbezüglich für andere Maßnahmen
verhält. Ist eine Klärung nicht möglich, so kann es zu Problemen mit der
Bahnhofshinterfahrung kommen. Auch er ist der Ansicht, dass die Entscheidung
nicht so aussehen kann, wenn die Bahnhofshinterfahrung kommt, dann können keine
anderen Projekte weiterverfolgt werden.
