13.11.2008 - 1 Einwohnerfragestunde
Grunddaten
- TOP:
- Ö 1
- Sitzung:
-
Sitzung des Rates der Stadt Hagen
- Gremium:
- Rat der Stadt Hagen
- Datum:
- Do., 13.11.2008
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- normale Sitzung
Wortprotokoll
Frau St.-v. H. teilt mit, dass die Grundschule Wesselbach über die neusten Entwicklungen zu den Schließungen der Schulstandorte überrascht sei. Die Grundschule Wesselbach sei in den Vorgesprächen zunächst nicht von den Schulschließungen betroffen gewesen. Es stelle sich die Frage, warum der Standort nun aufgegeben werden sollte. Die Elternschaft würde sich entschieden gegen eine Schließung, Standortverlagerung oder einer organisatorischen Zusammenlegung mit einer anderen Grundschule aussprechen. Aus dem Verständnis der Demokratie und aus schulrechtlicher Sicht sollte die Grundschule Wesselbach und ihre Mitwirkungsgremien an dem Entscheidungsprozess beteiligt werden.
Herr Dr. Schmidt entgegnet, dass der kurzfristig eingereichte
Beschlussvorschlag der CDU-Fraktion, welcher u. a. die Schließung der
Grundschule Wesselbach beinhalte, dazu geführt habe, dass die Verwaltung die
Grundschule formal bisher nicht beteiligen konnte. Sollte der Rat im Sinne des
Beschlussvorschlages der CDU-Fraktion entscheiden, so würde die Beteiligung
umgehend eingeleitet und entsprechend gewertet. Die Bezirksregierung in
Arnsberg habe darauf hingewiesen, dass Schulstandortschließungen in
Hohenlimburg sehr ausführlich bedacht werden sollten. Eine Schließung der
Grundschule Wesselbach zum Jahre 2011/2012 könnte deutlich zu früh sein und
sollte, wenn überhaupt, eher im Jahre 2013/2014 erfolgen.
Herr Strüwer bestätigt, dass die Grundschule Wesselbach erst sehr kurzfristig in den
Kreis der auslaufenden Schulen mit aufgenommen wurde. Die Forderungen der Bezirksregierung
und des Mentors würden dazu beitragen, dass Entscheidungen innerhalb der Schullandschaft
getroffen werden müssten. Eine sinkende Schülerzahl in Höhe von 15 bis 20
Prozent würde sich bereits jetzt abzeichnen, so dass in den nächsten Jahren
eine erhebliche Anzahl an Schulräumen freistehen werde. Die dafür
erforderlichen Aufwendungen müssten dann an einer anderen Stelle eingespart
werden. Entgegen dem ursprünglichen Vorschlag, die Grundschule Reh und die
Regenbogenschule auslaufen zu lassen, sei die CDU-Fraktion daran interessiert,
die Konfessionsschulen an einem anderen Standort zu erhalten. Dadurch werden in
den nächsten Jahren andere Grundschulen in Hohenlimburg erhalten werden können.
Frau O. bezieht sich auf die bewilligte Neugestaltung des Schulhofes der
Grundschule Wesselbach, mit der unmittelbar begonnen werden sollte. Durch die
geplante Schließung der Grundschule Wesselbach erwecke sich für die
Fragestellerin der Eindruck, dass das ehrenamtliche Engagement des
Fördervereins der Grundschule nicht ernst genommen werde.
Herr Dr. Schmidt weist erneut darauf hin, dass der Vorschlag der
CDU-Fraktion zur Schließung der Grundschule Wesselbach die Verwaltung so
kurzfristig erreicht habe, dass diese mit den Beteiligten nicht mehr in den
erforderlichen Konsens treten konnte. Dieser Vorschlag sei für alle Beteiligten,
mit Ausnahme der CDU-Fraktion, neu gewesen.
Frau A. appelliert an das Gewissen der Ratsmitglieder, die gegebenenfalls ein
Ehrenamt an einer Hagener Schule wahrnehmen und bittet diese zu überlegen,
inwiefern Sie an Neutralität in diese Angelegenheit gewinnen könnten. In diesem
Zusammenhang verweist Frau A. auf § 31 der Gemeindeordnung
Nordrhein-Westfalen (GO NRW).
Frau D. erinnert an die Wichtigkeit der Schulbildung für Jugendliche und Kinder
und bittet den Rat, über die Schließung von Schulstandorten nachzudenken.
Herr H. fragt nach, ob jede zweite am Volmeabstieg (Stadtmitte in Richtung
Ambrock) befindliche Straßenlaterne abgeschaltet und diese jeweils mit einem
Reflektorband versehen werden könnte. Möglicherweise könnte die dadurch
gewonnene Einsparsumme den Schulen zugute kommen.
Herr Dr. Bleicher versichert, dass bezüglich der
Straßenbeleuchtung eine ständige Überprüfung hinsichtlich der Realisierung von
Energieeinsparungen stattfinde. Die Verwaltung plant für das nächste Jahr eine
größere Maßnahme, die Straßenbeleuchtung an ineffizienten Stellen zu erneuern,
um dort entsprechende Einsparungen zu generieren. Herr Dr. Bleicher geht
nicht davon aus, dass der dadurch gewonnen Einsparbetrag so hoch sein werde,
dass die erforderliche eine Millionen Euro für die Schulen, die im Sparpaket
vorgesehen sind, gegen gerechnet werden könnten.
Weiter bezieht sich Herr H. auf einen
Bürgerantrag im Beschwerdeausschuss bezüglich der Einrichtung einer mobilen Polizeiwache
auf der Frankfurter Straße und fragt den Rat der Stadt, wie die öffentlichen
Sicherheit und Ordnung in diesem Straßenbereich zusätzlich gewährleistet werden
kann.
Herr Grothe teilt mit, dass diese Thematik zusammen mit der Polizei in der Bezirksvertretung
Mitte erörtert wurde. Eine mobile Polizeiwache sei aus organisatorischer Sicht
nicht möglich. Im Rahmen ihrer üblichen Tätigkeit werde die Polizei diesem
Bereich verstärkt überwachen, insbesondere in den Abend- und Morgenstunden.
Frau Priester-Büdenbender ergänzt, dass die Polizei im Beschwerdeausschuss
bestätigt habe, dass eine mobile Polizeiwache in der Frankfurter Straße uneffektiv
sei, weil lediglich der in Rede stehende Schwerpunkt verlagert würde. Die
Anzahl der Beschädigungen seien durch die ständige Präsenz der Polizei
zurückgegangen.
Herr Romberg erinnert daran, dass ein mobile Polizeiwache einen festen Standort beinhalte
und die Polizei bestätigt habe, dass eine Überwachung in Form eines üblichen
Streifenwagens effektiver sei.
Herr Bezirksbürgermeister Glaeser verweist auf die mehrfach geführten Gespräche
mit der Polizei in dieser Angelegenheit und bestätigt die Ausführungen der
Ratsmitglieder.
Herr H. wirft die Frage auf, warum dennoch Anträge von den Anwohnern bezüglicher
ihrer Sicherheit gestellt werden und bittet um Auskunft, wie oft der Straßenbereich
von der Polizei kontrolliert werde,
Herr Bezirksbürgermeister Glaeser bittet um Verständnis, dass diese Frage
lediglich die Polizei beantworten könnte.
Frau E. fragt nach den konkreten Vorstellungen, wie die sieben Klassen der Wesselbachschule
in den zwei zurzeit leerstehenden Räumen der Heideschule untergebracht werden
sollen.
Herr Strüwer bestätigt, dass sich nach dem heutigen Stand eine Unterbringung als
schwierig erweisen würde, macht aber darauf aufmerksam, dass ein Auslaufen der
Wesselbachschule erst im Jahr 2011/2012 beginnen sollte. Dadurch könnten die
jetzigen Schüler der Wesselbachschule ihre vier Grundschuljahre in der
Wesselbachschule ableisten. Die Schülerzahl in Hohenlimburg werde sich in den
nächsten Jahren um rd. 200 Kinder verringern, so dass eine Integration am neuen
Standort Heideschule, auch im Rahmen der Offenen Ganztagsschule (OGS) und der
vorhandenen Turnhalle, eine gute Lösung sei.
Herr Sch. bezieht sich auf einen Artikel aus der Hagener Presse, wonach die
Bezirksregierung Arnsberg die Landesfördermittel der OGS zurückfordere, wenn einzelne
Schulstandorte im Rahmen der OGS geschlossen werden. Weiter bezieht sich Herr
Sch. auf eine von Herrn Röspel in der Presse gemachte Aussage,
wonach die Bezirksregierung Arnsberg auf eine Rückzahlung verzichten werde und
bitte um Auskunft, wie sich der Sachverhalt den nun darstellen würde.
Herr Dr. Schmidt klärt darüber auf, dass konkrete Gespräche erst
nach einer entsprechenden Beschlussfassung geführt werden könnten. Sofern
Inventar der OGS verlagert würde, werden keine Rückzahlungsansprüche geltend
gemacht werden können. Mit Rückzahlungen sei erst dann zu rechnen, wenn nach
Laufzeit der Investitionen, Standorte komplett aufgegeben werden und keine
Ersatzplätze zur Verfügung stehen würden. Der Antrag der sich mit der Thematik
Rückzahlung befasse, beinhalte das Eintreten von Verhandlungen mit der
Bezirksregierung, um eine kostenneutrale Regelung zu erwirken.
Auf die Zusatzfrage von Herrn Sch. nach
der möglichen Rückzahlungssumme, antwortet Herr Dr. Schmidt, dass eine
Summe in Höhe von ca. 700.000,-- bis 800.00,-- Euro bei Schließung der bisher
diskutierten Schulstandorte in Rede stehen werde.
Auf die Anmerkung von Herrn Sch., ob es
sich dabei nicht um die erforderliche Einsparsumme des Sparpaketes zu den
Schulschließungen handele, antwortet Herr Gerbersmann, dass die
Einschätzung insofern nicht richtig sei, weil sich die Summe nur ergäben würde,
wenn alle bisher diskutierten Schulstandorte geschlossen und für alle Standorte
die Landesfördermittel zurückgefordert würden. Die Verwaltung habe die klare
Erwartungshaltung, dass in Anbetracht des Spardrucks auf die Rückzahlung verzichtet
werde. Darüber hinaus handele es sich bei den Einsparungen im Zusammenhang mit
der Schließung von Schulstandorten nicht um ein einmaliges Sparziel, sondern um
eine Einsparsumme in Höhe von eine Millionen Euro jährlich.
Herr V. fragt nach, wie die Verwaltung die zusätzlich entstehenden Kosten bei
einer Zusammenlegung von Schulen finanzieren möchte und bittet um Auskunft,
wofür die bisherigen Steuereinnahmen verwendet wurden.
Herr Gerbersmann erklärt, dass die Stadt Hagen ein
Haushaltsdefizit von rd. 125 Millionen Euro vor sich hertrage, d.h. das alle
Einnahmen, also auch Steuereinahmen, Zuweisung und Zuschüsse, die Ausgaben
nicht decken könnten.
Auf die Zusatzfrage von Herrn V. zur
Finanzierung des Projektes „Ebene 2“ und des Fassadenwettbewerbs
erklären Herr Gerbersmann und Herr Grothe, dass die Verwaltung
für das Kunstprojekt Ebene 2 lediglich die ohnehin in einigen Jahren erforderlichen
Sanierungskosten trage und der Fassadenwettbewerb durch Bund, Land und der Kommune
bezuschusst werde.
Frau v. H. fragt nach, warum weite Schulwege für Grundschulkinder im Zusammenhang
mit den Schulschließungen in Kauf genommen und gleichzeitig der Öffentliche
Personennahverkehr (ÖPNV) ausgedünnt werde. Es stelle sich die Frage, wie die
Kinder ihre Schulen sicher erreichen sollen.
Herr Dr. Schmidt versichert, dass die Verwaltung und die
Fachausschüsse sich über den Schulweg der Jugendlichen und Kinder Gedanken
gemacht haben. Demnach wurden grundsätzlich Schulen zur Schließung nur dann vorgeschlagen,
wenn deren Kinder auch zukünftig nur einen Schulweg von weniger als zwei
Kilometer vor sich haben. Im Bereich des ÖPNV´s gäbe es einen Ratsauftrag rund
zwei Millionen Euro einzusparen. Die Diskussion zu diesem Thema werde zurzeit
in allen Bezirken mit den Bürgerinnen und Bürgern geführt. Dabei sollte in den
Kernzeiten darauf geachtet werden, dass der Schülertransport, die
Erreichbarkeit der Innenstadt und die Schichtanfangszeiten der Hagener Betriebe
Beachtung finden.
Frau Sch. bemängelt die Abwicklung der Bürgerversammlung zur Schließung der
Hauptschule Dahl dahingehend, dass Ihre gestellten Fragen nicht zu Ihrer Zufriedenheit
bzw. gar nicht beantwortet wurden. Sollte das Gebäude der Hauptschule, dem Grundschulverband
Volmetal zur Verfügung gestellt werden, so sei zu bedenken, dass sich der
Schulweg für Grundschüler als schwierig darstellen werde.
Frau Neuhaus bemerkt, dass im letzten Jahr bei Abschluss der Anmeldefrist lediglich
sieben Anmeldungen für die Hauptschule Dahl vorgelegen haben. Die gesetzlichen
Regelungen würden aber festlegen, dass eine Hauptschule zwingend zweizügig
laufen müsste. Die Hauptschule Dahl habe im letzten Jahr nur eine Klassenstärke
zusammen bekommen, weil die Gesamtschule Eilpe nicht alle Anmeldungen
berücksichtigen konnte.
Frau Priester-Büdenbender äußert Ihr Verständnis für den Unmut der
Fragestellerin, stellt aber fest, dass in der Tat lediglich sieben Anmeldungen
für die Hauptschule Dahl bei Abschluss der Anmeldefrist vorgelegen haben. Die
gesetzlichen Regelungen seien in dieser Angelegenheit eindeutig. Darüber hinaus
biete sich für die Grundschüler der Vorteil, eine Schwimmhalle sowie eine Turnhalle
direkt vor Ort in Anspruch nehmen zu können.
Herr Gerbersmann weist deutlich darauf hin, dass die zurzeit
geführte Diskussion in Bezug auf die Schulschließungen auch ohne den bisherigen
Verlauf der Derivatgeschäfte hätte geführt werden müssen. Die Kassenkredite der
Stadt Hagen bestehen inzwischen in Höhe von rd. 780 Millionen Euro. Jedes Jahr
erhöhen sich diese um 120 bis 150 Millionen Euro. In naher Zukunft werde die
Marke von 1 Milliarde Euro überschritten werden.
Die bevorstehenden Einschränkungen seien dringend
erforderlich, um den Haushalt zu sanieren.
Für Herrn T. stellen sich die
bevorstehenden Einsparungen durch die Schließung von Schulstandorten
unverständlich dar. Trotz des anstehenden Rückgangs der Schülerzahlen könnten
die dann zur Verfügung stehenden Gebäude für eine andere Verwendung genutzt
werden. Herr T. bemängelt die bisherige Kommunikation und Vorgehensweise
in dieser Angelegenheit und fragt nach, ob der Rat eine Arbeitsgruppe in dieser
Angelegenheit einrichten könnte, um eine sachgerechte Entscheidung zu treffen.
Frau Kingreen bestätigt und unterstützt die Forderung des Fragestellers und weist darauf
hin, dass man am Anfang eines einleiteten Prozesses stehen würde, in dem alle Beteiligten
aufgefordert werden diesen aktiv mit zu gestalten.
Frau Herms erinnert daran, dass Rat und Verwaltung vom Vorschlag der CDU-Fraktion
hinsichtlich der Schließung der Wesselbachschule ebenfalls überrascht wurden.
Die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zu dieser Thematik sei sehr sinnvoll, zumal
im Vorfeld bereits Gespräche mit den Eltern und den Schulleitungen geführt
wurden.
