04.09.2025 - 4 Frauennotschlafstelle - Mündlicher Bericht des ...

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Wortprotokoll

Zu diesem TOP begrüßt Kirsten Pinkvoss nochmals herzlich Dirk Fröhning und Hannah Hoch vom Fachbereich Integration, Zuwanderung und Wohnraumsicherung (FB 56). Dirk Fröhning, Fachbereichsleitung FB 56, berichtet über den aktuellen Sachstand in der Frauennotschlafstelle im Frankenweg in Hohenlimburg: Es ist geplant, die Frauennotschlafstelle im Frankenweg zu verorten. Aktuell ist dort noch eine Notunterkunft für Obdachlose, die geschlechtsunabhängig belegt wird, wobei seit letztem Jahr fast nur noch Frauen zugewiesen werden. Seit dem 01.08.2025 ist die Leitung der Frauennotschlafstelle mit Johanna Lomp besetzt, die aber an der heutigen Sitzung des Frauenbeirates nicht teilnehmen kann. Johanna Lomp entwickelt die Konzeption für die Frauennotschlafstelle. Dabei wird von ihr auch die Gestaltung des Zugangs zur Frauennotschlafstelle konzeptionell berücksichtigt. Organisatorisch wird die Frauennotschlafstelle dem Fachbereich 56 zugeordnet. Aktuell werden noch sechs Heilerziehungspfleger*innen gesucht, aufgrund des Fachkräftemangels gestaltet sich dies schwierig.

Auch das Gebäude muss ertüchtigt werden: Es handelt sich um alte Bausubstanz, in der in den Räumen weder ein Wasseranschluss noch eine Heizung vorhanden war. Bisher wurden Ölradiatoren zum Heizen genutzt. Im aktuellen ersten Bauabschnitt wird jedes Zimmer daher mit einem Wasseranschluss sowie einer Heizung ausgestattet. 

Im zweiten Bauabschnitt werden ab Ende 2025/Anfang 2026 Büromöglichkeiten geschaffen. Hierfür ist eine Nutzungsänderung nötig, die bereits beantragt ist und von der Stadt bearbeitet wird.

Wenn bis dahin ausreichend Personal gefunden wurde, ist die Eröffnung in 2026 geplant.

Hannah Hoch, FB 56, Sozialdienst für das Projekt "Endlich ein Zuhause", ergänzt, dass aktuell ein Sicherheitsdienst in der Nacht vor Ort sei, tagsüber seien die Objektbetreuungen bei Problemen ansprechbar. Eva Maria Fischer fragt, warum nach Heilerziehungspfleger*innen gesucht werde und nicht nach Sozialarbeiter*innen. Dirk Fröhning antwortet, dass es bei dem Klientel oft auch gesundheitliche Einschränkungen gäbe. Heilerziehungspfleger*innen seien im Umgang mit gesundheitlichen Einschränkungen geschult und daher gut ausgebildet für die Arbeit in der Frauennotschlafstelle. Wilma Panzer weist daraufhin, dass es vorher nicht gelungen sei, durch einen Beschluss des Frauenbeirates die Planung der Frauennotschlafstelle zu unterstützen und politisch zu begleiten. Wilma Panzer will möchte wissen, wie viele Frauen vorher im Frankenweg waren, ob es sich hauptsächlich um psychisch kranke Frauen gehandelt habe, wie mit den aktuellen Problemen zwischen Frauen und Bauarbeitern umgegangen werde und ob es stimme, dass die dort wohnenden Frauen aggressiv sein sollen.

Dirk Fröhning antwortet, dass es für den Frankenweg aktuell keine Statistik gibt,  allgemein aber festzustellen ist, dass Obdachlosigkeit nicht mehr nur männlich ist. Er räumt ein, dass es Schwierigkeiten zwischen Handwerkern und den dort wohnenden Frauen gegeben habe. Es sei für die Handwerker schwierig gewesen, in den Zimmern zu arbeiten. Zum Teil seien die Orte, an denen sie arbeiten sollten, nicht freigeräumt gewesen. Die Handwerker seien beschimpft und bedroht worden, daraufhin seien die Arbeiten durch die Handwerker eingestellt worden. Es seien Maßnahmen ergriffen worden, um sowohl Frauen als auch Handwerker zu schützen. Danach sei eine Wiederaufnahme und Fortführung der Bauarbeiten möglich gewesen. Die Gründe für diese Konflikte lägen häufig in psychischen Erkrankungen der dort wohnenden Frauen. Er führt dies auf eine lang zurückliegende gute Entwicklung des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG NRW) zurück. Bis ca. 2010 war es möglich, Menschen auch gegen ihren Willen zu behandeln. Inzwischen sei man da deutlich weiter und niemand könne gegen seinen Willen behandelt/untergebracht werden. Dirk Fröhning wertet dies zunächst als großen Fortschritt. Er weiß auch um die Kehrseite dieser Entwicklung: Menschen können für sich entscheiden, ob sie sich in Behandlung geben und/oder Hilfe annehmen wollen. Diese Menschen müssen allerdings auch die Konsequenz ihres Handelns tragen. Wenn sie sich nicht mietgerecht verhalten, verlieren sie die Wohnung. Die Spirale dreht sich dann immer weiter bis hin zur Obdachlosigkeit. Er verdeutlicht, dass sowohl aktuell als auch in der geplanten Frauennotschlafstelle die Frauen eine Behandlung ihrer Erkrankungen verweigern dürfen. Man erhoffe sich, dass das Personal eine gute Beziehung aufbauen könne zu den Betroffenen, um über diesen Weg eine Medikamenteneinnahme zu ermöglichen. Dies ist aber letzten Endes vom Willen der betroffenen Frauen abhängig. Songül Uzun fragt nach, wo die Frauen gemeldet sind, wie sie aktuell in die Frauennotschlafstelle am Frankenweg kommen und ob sie von der Polizei gebracht werden. Hannah Hoch antwortet, dass Streetwork sich inzwischen in Hagen etabliert hat und das dort tätige Personal aktiv angesprochen wird. Manchmal macht die Polizei die Streetworker*innen auf Menschen aufmerksam. Songül Uzun fragt nach, ob die Frauen sich selber darum kümmern müssen, dorthin zu kommen und ob es sich öfter um suchterkrankte Frauen handelt. Hannah Hoch antwortet, dass den Frauen 4-er Tickets ausgehändigt werden, damit sie mit dem Bus zum Frankenweg kommen können. Sie legt dar, dass inzwischen die meisten Obdachlosen Alkohol trinken UND Drogen konsumieren. Ob nun eine psychische Erkrankung der Auslöser ist für den Konsum von Alkohol/Drogen oder umgekehrt, kann nicht sicher beantwortet werden. Songül Uzun fragt, ob dann in einer solchen Situation nicht die Behandlung der Erkrankung (Sucht/psychische Erkrankung) am sinnvollsten sei. Kirsten Pinkvoss erinnert an das von Dirk Fröhning zuvor Dargelegte. Demnach besteht kein Zwang zur Behandlung.

Iris Karp fragt, wie sich eine Frauennotschlafstelle definiert, wie lange die Frauen dortbleiben. Außerdem möchte sie wissen, welche Strategien/Unterstützungs-möglichkeiten es gibt, um in einen normalen Lebensrhythmus zu kommen (Bezug von Leistungen wie Bürgergeld, Arbeitslosengeld) und ob die Frauen auch Kinder mitbringen. Dirk Fröhning kann darauf keine klare Antwort geben, da die Konzeption noch erarbeitet wird. Er gehe aber davon aus, dass in der Frauennotschlafstelle nicht alle Probleme der einzelnen Frau gelöst werden können. Es werde eher ein sehr individueller Prozess der vielen kleinen Schritte sein, den man bestenfalls begleiten könne. Es sei aktuell nicht vorgesehen, Frauen mit Kindern aufzunehmen. Bei Frauen mit Kindern werde aktuell nach anderen Lösungen gesucht.

Kirsten Pinkvoss bedankt sich für den Bericht von Dirk Fröhning und Hannah Hoch. Sie fragt nach, ob der Anteil an obdachlosen Frauen gleichgeblieben oder gestiegen ist und ob der Frauenbeirat die Entwicklung der Frauennotschlafstelle durch einen Beschluss unterstützen kann. Auch möchte sie wissen, ob die Möglichkeit besteht, höher qualifiziertes Personal zu suchen. Dirk Fröhning erklärt, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gäbe, an die Personalfrage heranzugehen. Die Stadt Hagen habe sich für diesen Weg entschieden. Die Profession sei aus seiner Sicht nicht das Entscheidende, der einzelne Mensch sei entscheidend. Er setze auf ein multiprofessionelles Team, die Frauennotschlafstelle sei ohne Personal nicht umsetzbar. Es werden noch sechs Vollzeitstellen benötigt um eine 24-stündige Ansprechbarkeit sicherzustellen. Aus seiner Sicht seien aktuell alle Vorbereitungen getroffen und er wolle gerne in 2026 wieder kommen um dann das Konzept vorzustellen.

Sabine Michel bedankt sich für den Bericht und berichtet, dass eine an die Gleichstellungstelle gerichtete anonyme E-Mail auf die Missstände im Frankenweg hingewiesen habe. Sie fragt, ob ein 24-Stunden Sicherheitsdienst ermöglicht werden kann. Dirk Fröhning antwortet, dass dies aufgrund fehlender Haushaltsmittel in 2025 nicht möglich sei. Der aktuell vor Ort tätige Sicherheitsdienst ist an anderer städtischer Stelle eingespart worden. Aus seiner Sicht leistet die Stadt Hagen das aktuell Notwendige, eine Verbesserung der Situation kann erst mit mehr Personal erreicht werden. Wilma Panzer fragt nach, ob die Frauen Geld/Einkommen bzw. ein Konto haben. Hannah Hoch erwidert, dass die meisten Frauen in der Regel Bürgergeld beziehen. In naher Zukunft wird es Probleme geben, da das Jobcenter dann nicht mehr über Schecks auszahlen wird und nicht alle können über ein Konto verfügen. Sie äußert den Wunsch, dass es schön wäre, wenn es einen Topf gäbe, aus dem Ausweise bezahlt werden könnten. (Für den Personalausweis z.B. muss die Gebühr bezahlt werden, die Stadt Hagen kann nicht davon befreien. Für viele Anträge ist ein Ausweis notwendig. Um den Ausweis, der verloren/geklaut/nicht mehr gültig ist, ersetzen zu können, wäre ein Budget hilfreich.) Claudia Seidel von der Gehörlosenberatung Hagen fragt, ob bei den aktuell erfolgenden Umbauarbeiten im Frankenweg auch an die Barrierefreiheit gedacht werde. So benötigen Gehörlose gewisse Voraussetzungen, um sich einerseits geschützt zu fühlen und andererseits die Einrichtung überhaupt nutzen zu können (u.a. z.B. eine Lichtklingel). Dirk Fröhning stellt klar, dass kein Umbau erfolgt. Die genannten Umbauarbeiten umschließen die vorher genannten Maßnahmen: Jedes Zimmer bekommt Wasser und eine Heizung und es erfolgt die Einrichtung von Arbeitsplätzen. Es wird eine alte Obdachloseneinrichtung bleiben. Die von ihm genannten Maßnahmen sind die Mindestvoraussetzungen, um die Notschlafstelle in Betrieb nehmen zu können. Die Stadt Hagen ist Mieterin der Immobilie und kann daher nicht entscheiden, was umgebaut wird. Der Eigentümer hat nun dementsprechend die Mieten angehoben. Susanne Deitert fragt, ob der Frankenweg eine Meldeadresse ist. Hannah Hoch bestätigt dieses.

Songül Uzun fragt, wer für die dort Wohnenden kocht oder ob Essen geliefert wird. Außerdem möchte sie wissen, warum nicht arme Leute von der Gebühr für einen Ausweis befreit werden und warum nicht ein gesetzlicher Betreuer über das Gericht bestellt wird, der sich dann um alle anfallenden Probleme kümmert. Aus ihrer Sicht handelt es sich um sehr hilfsbedürftige Menschen. Dirk Fröhning antwortet, dass die Behörden aufgrund der Gesetzeslage nicht auf die Gebühr verzichten dürfen. Im Übrigen sei eine Vollverpflegung nicht geplant. Für die Mahlzeiten sei jede dort wohnende Frau selbst verantwortlich. Kirsten Pinkvoss weist darauf hin, dass das Betreuungsrecht durch seine Rahmenbedingungen hier nicht so einfach anwendbar ist.

Christina Pollok macht darauf aufmerksam, dass die Türen im Frankenweg aktuell nicht alle verschließbar sind. Die einfachen Holztüren, so führt Dirk Fröhning aus, seien sehr häufig von Zerstörung betroffen. Die Reparatur bzw. der Ersatz einer zerstörten Tür sei eine Reparaturmaßnahme, die laufend erfolge. Die Türen haben nun ein anderes Material, das nicht so leicht zerstörbar ist. Ungefähr die Hälfte der Türen ist ausgetauscht. Die Haustürenproblematik ist extra zu sehen: Wegen ständigem Verlust/Missbrauch des Haustürschlüssels werden aktuell keine Haustürschlüssel ausgegeben. Das Problem mit der Postzustellung wegen der immer wieder zerstörten Briefkästen konnte nun so gelöst werden, dass der Hausmeister die Post annimmt und dann verteilt. Kirsten Pinkvoss beendet nun diesen TOP und bedankt sich bei allen.