25.09.2025 - Ehrung verdienter und Verabschiedung ausscheide...

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Wortprotokoll

[Anmerkung der Schriftführung: Von 15:05 Uhr bis 16:00 Uhr wurden im Rahmen der letzten Ratssitzung der Ratsperiode die Ehrungen verdienter und die Verabschiedung ausscheidender Ratsmitglieder vorgenommen.

 

In diesem Rahmen hielt Herr Oberbürgermeister Schulz die folgende Rede.]

 

„Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

ich darf Sie alle ganz herzlich zur letzten Sitzung des Rates der Stadt Hagen in dieser Amtsperiode begrüßen.

 

Fast die Hälfte der anwesenden Mitglieder wird in knapp einem Monat aus diesem wichtigsten politischen Gremium unserer Stadt ausscheiden. 22 Frauen und Männer, die zum Teil seit Jahren und vielen Jahrzehnten mit ihrem engagierten Wirken und ihren Entscheidungen maßgeblich zur Entwicklung unserer Stadt beigetragen haben. Ganz ohne Zweifel stellt ihr Ausscheiden eine echte Zäsur dar.

 

Für mich ist es nicht nur guter Brauch und gelebte Tradition in diesem Haus, sondern für mich ist es ein aufrichtiges Anliegen, all jenen meinen Dank und meine Anerkennung auszusprechen, die sich mit Begeisterung und aus fester Überzeugung den Herausforderungen kommunalpolitischer Arbeit stellen. Zugleich ist es mir eine besondere Ehre und große Freude, heute all jene, die sich diesem wichtigen und wertvollen ehrenamtlichen Wirken über einen Zeitraum von 15 und mehr Jahren verschrieben haben, unter anderem mit der Ehrennadel der Stadt Hagen auszuzeichnen sowie die Frauen und Männer angemessen und würdig zu verabschieden, für die dies heute eben die letzte Sitzung im Rat unserer Stadt ist.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen des Rates,

 

in den vergangenen fünf Jahren haben wir in diesem Kreis im besten demokratischen Sinne viele Male mit großer Leidenschaft und Begeisterung diskutiert und debattiert, wenn es um weitreichende Entscheidungen für diese Stadt ging und damit um das Wohl der Menschen, die in ihr leben und arbeiten. Wir haben dies getan in dem vollen Bewusstsein, ein hohes Maß an Verantwortung zu tragen, das uns die Bürgerinnen und Bürger durch ihre Wahl mit auf den Weg gegeben haben. Und wir haben letztlich – und dies nicht selten auch im breiten Konsens – mit Augenmaß Entscheidungen getroffen, von denen wir überzeugt waren und sind, dass sie sich nach dem Abwägen von allem Für und Wider positiv für die weitere Entwicklung Hagens auswirken.

 

Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage:

Wir können stolz sein auf das sein, was wir alle gemeinsam in der gut in fünf Wochen auslaufenden Amtsperiode erstritten, erarbeitet und erreicht haben. Herausforderungen hatten wir wahrlich genug – und denen haben wir uns entschieden gestellt. Dafür, dass Sie sich mit Nachdruck und aus fester Überzeugung stets aufs Neue in diese nicht immer leichte kommunalpolitische Arbeit eingebracht haben sowie für Ihren außerordentlichen Einsatz und die engagierte Zusammenarbeit danke ich Ihnen von Herzen. Auch wenn gewiss noch genug Arbeit für den neuen Rat übrig geblieben ist…

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

Sie sind vor Jahr und Tag in die Politik gegangen, um in dem Ort, dem Sie sich verbunden fühlen, etwas zu bewegen. Kommunalpolitik ist Basispolitik! Was wir entscheiden, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist unmittelbar sicht- und spür, es betrifft die Bürgerinnen und Bürger ganz direkt. Denn Kommunalpolitik erstreckt sich auf alle Lebensbereiche. Sie befasst sich mit wirtschaftlichen, mit sozialen, mit kulturellen Belangen. Es geht um Kindergärten und Schulen, um Wohnungs- und Straßenbau, um Arbeit und Wirtschaft, um Kultur und Sport. Genau das macht Kommunalpolitik so spannend. Sein Mandat gut auszuüben und seinen Ansprüchen gerecht zu werden, das erfordert viel Einsatz – mehr als die Öffentlichkeit manchmal denkt. Denn es geht ja nicht nur um die Teilnahme und Mitwirkung an Sitzungen und öffentlichen Veranstaltungen, sondern auch um das Durcharbeiten von oft sehr komplexen Beschlussvorlagen. Während Ihrer Ratstätigkeit blieb für die Familie oder den Beruf zwangsläufig nicht mehr so viel Zeit. Deshalb möchte ich heute auch Ihren Familien sowie Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen vielmals danken, die Sie freigestellt beziehungsweise Ihnen Rückendeckung gegeben haben. Sie haben Ihren politischen Weg mitgetragen und Ihnen damit eine wichtige Unterstützung gewährt.

 

Kommunalpolitik, meine Damen und Herren, ist heutzutage von vielen Entwicklungen und Entscheidungen abhängig, die außerhalb unseres Einflussbereiches liegen. Zum einen wirken sich konjunkturelle Schwankungen und Krisen in Europa oder weltweit auf Kommunen und auf ihren Haushalt aus. Zum anderen haben wir Beschlüsse umzusetzen, die in Düsseldorf, Berlin oder Brüssel fallen. Und wir hatten es mit Herausforderungen zu tun, die wir in ihren Auswirkungen noch vor wenigen Jahren nicht einmal erahnt hätten. Ich denke zum Beispiel an die Jahre andauernde Coronapandemie, die Hochwasserkatastrophe 2021 oder den Angriffskrieg auf die Ukraine. Auch wenn die Herausforderungen für uns nicht geringer werden, konnten und können wir etwas bewegen. Und wir haben unsere Handlungsspielräume stets genutzt. Sicher: wenn es um große Projekte geht, die Entschlusskraft, Mut und Kreativität verlangen, wenn es darum geht, die Wichen neu zu stellen, dann prallen die Meinungen schon mal aufeinander. Wie sollte es auch anders sein.

 

Doch bei allen heftigen Debatten gab es stets das Bemühen um Konsens, um Beschlüsse, die von einer breiten Mehrheit getragen werden können. Daran haben Sie mitgewirkt. Sie haben die Meinung anderer stets geachtet und sich gegenüber dem politischen Gegner fair verhalten, Sie waren auf kollegiale Zusammenarbeit und sachgerechte Lösungen bedacht. Das habe ich, das haben viele stets als konstruktiv und sehr angenehm erlebt.

 

Demokratie, meine Damen und Herren, lebt von der Vielfalt der Meinungen und von der Abwägung der Argumente, sie lebt vom Austausch und von lebhafter, auch hitziger Diskussion.

Aber sie braucht auch die Bereitschaft zum Kompromiss, die Bereitschaft, Lösungen zu finden, mit denen alle oder zumindest die meisten leben können. Allerdings kann man es nie allen recht machen. Und jede und jeder von uns hat es wohl schon erlebt, dass sie oder er Ziele oder Forderungen gar nicht oder erst nach langen Bemühungen durchzusetzen vermochte. Als Politikerin, als Politiker muss man über Frustrationstoleranz verfügen – und am besten auch noch über eine gehörige Prise Humor!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wie bei jeder Wahl hat sich durch die letzte Kommunalwahl die Zusammensetzung des Rates verändert, sowohl was die Personen angeht als auch die Stärke der einzelnen Fraktionen. Es gab einige Überraschungen, die die eine oder andere Person so nicht auf dem Schirm hatte. Ich sehe das Wahlergebnis vom 14. September aber auch als Ausdruck der gewandelten Beziehung zwischen Wählerinnen und Wählern und Parteien. Die enge Bindung, die jahrzehntelang bestand, sie existiert nicht mehr; die Wählerinnen und Wähler wechseln schneller zu einer anderen Partei oder geben ihre Stimme gar nicht mehr ab. Das hat die Parteien wie die politische Landschaft verändert. Auch das stellt uns alle vor neue Konstellationen und neue Herausforderungen.

Ich habe es schon angedeutet: Auch der neue Rat wird sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen können.

 

Meine Damen und Herren,

 

Demokratie lebt vom Engagement, von ehrenamtlicher Tätigkeit, ganz gleich, wo und wie sie erbracht wird. Denn Demokratie bedeutet Mitwirkung. Es kommt darauf an, dass es Menschen wie Sie gibt, die die demokratischen Möglichkeiten insgesamt ernst- und wahrnehmen, sie dauerhaft mit Leben erfüllen, sich immer wieder aufs Neue Herausforderungen stellen und Ideen und Pläne im Sinne und zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger umsetzen. Von diesen Frauen und Männern – von jeder und jedem von Ihnen und Ihrem Engagement – lebt unsere Demokratie. Sie haben viel Zeit, Kraft und Energie aufgewandt, um Ihrer Tätigkeit hier im Rat der Stadt Hagen verantwortungsvoll nachgehen zu können. Dafür Ihnen und Euch allen noch einmal ein aufrichtiges Dankeschön!

 

Ganz besonders herzlich bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei meinen Bürgermeister-Kollegen, Dr. Hans-Dieter Fischer, Dietmar Thieser und Karin Köppen, für die gute Zusammenarbeit. Sie haben in den zurückliegenden fünf Jahren aus Überzeugung und mit Begeisterung immer wieder den engen Kontakt zu den Menschen in Hagen gesucht. Dafür sage ich euch nochmals von Herzen ein ehrliches Dankeschön!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen des Rates,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

kommen wir nun zu den Ehrungen verdienter und ausscheidender Mitglieder.

 

Es ist mir eine Freude und Ehre, nun mit der Ehrennadel der Stadt Hagen für ihr 15-jähriges und 16-jähriges kommunalpolitisches Engagement auszuzeichnen:

Herrn Rüdiger Ludwig (15 Jahre, Bündnis 90/Die Grünen),

Frau Marianne Cramer (16 Jahre, CDU),

Herrn Jörg Fritzsche (16 Jahre, Bündnis 90/Die Grünen),

Herrn Jörg Klepper (16 Jahre, CDU),

Frau Karin Köppen (16 Jahre, Bündnis 90/Die Grünen) und

Herrn Stephan Treß (16 Jahre, CDU).

Herrn Löher (Hagen Aktiv), Sie haben Ihre Ehrennadel für Ihr 16-jähriges Engagement ja bereits gestern in der Bezirksvertretung Nord erhalten.

 

Für ihre 21-jährige Amtszeit ehren wir:

Herrn Dr. Josef Bücker (Hagen Aktiv),

Herrn Jörg Meier (SPD),

Herrn Claus Rudel (SPD),

Herrn Günter Stricker (SPD),

Herrn Rainer Voigt (CDU) und

Herrn Thomas Walter (CDU).

 

Und für 22 Jahre ehren wir

Frau Corinna Niemann (CDU).

 

Für 26 Jahre ehren wir:

Herrn Detlef Reinke (CDU).

 

Für Ihr 26- beziehungsweise 28-jähriges Engagement wurden Sie, Herr Bezirksbürgermeister Eisermann (CDU) und Sie, Herr Arnusch (Bürger für Hohenlimburg), bereits in der Bezirksvertretung Hohenlimburg geehrt.

 

Und für nicht weniger als 41 Jahre im Dienst der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt ehren wir mit einer Hagen-Uhr:

Herrn Michael Grzeschista (FDP),

Herrn Claus Thielmann (FDP) und

Herrn Dietmar Thieser (SPD).

 

Meine Damen und Herren,

 

bevor wir gleich zu den allgemeinen Verabschiedungen kommen, möchte ich jetzt noch eine Person ehren und verabschieden, die nach unglaublichen 46 Jahren die Ratsbühne verlässt: Ich spreche von unserem geschätzten Kollegen und Ersten Bürgermeister Dr. Hans-Dieter Fischer!

 

Es ist schwierig, jemanden zu ehren, dessen Laufbahn und Lebenswerk so umfangreich und beeindruckend ist – und noch schwieriger ist es, diese Person zu verabschieden. Der am 14. Dezember 1942 geborene Hasper Junge wurde nach Abitur und Studium mit gerade einmal 31 Jahren jüngster Akademischer Oberrat in ganz NRW.

 

Mehr als umfangreich ist zudem sein politischer Werdegang, der 1964 mit dem Eintritt in die CDU begann. 1979 wurde Hans-Dieter Fischer erstmals in den Rat der Stadt Hagen gewählt, war Kreisvorsitzender, Landtagsabgeordneter und seit 1999 Erster Bürgermeister der Stadt Hagen. In dieser Funktion auch Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins.

 

Ich hatte die große Ehre, ihm für all sein großartiges Engagement im Juni 2023 im Namen des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen.

 

Persönliches über Dr. Hans-Dieter Fischer: Er ist ein großer Familienmensch!

 

Er ist bei allen für sein außerordentliches Engagement im politischen, kulturellen und sportlichen Bereich, seine Offenheit und seinen Einsatz für seine Heimatstadt Hagen bekannt und überaus beliebt. Er verfügt über ein breit gefächertes Wissen und eine enorme Kompetenz in den unterschiedlichsten Bereichen.

 

Als Erster Vertreter des Oberbürgermeisters – seit über 11 Jahren von mir – ist er eine wichtige Stütze, insbesondere in den von Krisen geprägten Jahren. Aber er ist für mich noch viel mehr: Ein guter Freund, ein geschätzter Kollege und Mentor – aber vor allem ist er ein Vorbild.

 

Heute verlässt er nach 46 Jahren die Ratsbühne - Dank für seine vielfältigen Leistungen und Verdienste – nicht nur im politischen Bereich.

 

Kommen wir nun zu den Verabschiedungen:

Danke sagen und verabschieden wollen wir uns in der CDU von:

Herrn Dr. Hans-Dieter Fischer,

Frau Marianne Cramer,

Frau Corinna Niemann,

Herrn Emanuel Schmidt und

Herrn Stephan Treß.

 

Wir danken und verabschieden in der SPD:

Frau Vera Besten,

Herrn Milazim Jusaj,

Frau Vanessa Jusaj,

Herrn Werner König,

Herrn Kevin Niedergriese,

Herrn Martin Stange und

Herrn Günter Stricker.

 

Wir danken und verabschieden bei Bündnis 90/Die Grünen:

Herrn Daniel Adam,

Frau Elke Freund und

Frau Nicole Pfefferer.

 

Wir danken und verabschieden bei der AfD:

Frau Lisa Oheim.

 

Bei Hagen Aktiv:

Herrn Jochen Löher und

Frau Pina Ribaudo.

 

Bei der FDP:

Herrn Michael Grzeschista und

Herrn Claus Thielmann.

 

Bei HAK:

Herrn Fatih Caliskan

 

sowie bei Die Linke:

Herrn Ralf Sondermeyer.

 

Ihnen und Euch allen: Alles Gute!

 

[Persönliche Erklärung von Frau Peddinghaus zur Verabschiedung von Herrn Oberbürgermeister Schulz.]

 

[Persönliche Erklärung von Herrn Oberbürgermeister Schulz zur Verabschiedung von Herrn Bleicher:]

 

„Meine Damen und Herren verehrte Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,

 

neben den Verabschiedungen der Ratsmitglieder verabschieden wir heute noch einen Dinosaurier der Verwaltung. Er trat 1997 in den Dienst der Stadt, hat also unter 5 Oberbürgermeistern gearbeitet, vermutlich manchmal auch gelitten. Er hat ewig in der Pressestelle gearbeitet, sie später geleitet und ist seit Beginn meiner ersten Amtszeit mein Persönlicher Referent. Ich spreche von Thomas Bleicher, der mit mir zum 31.10.2025 ausscheidet und in seinen wohlverdienten Ruhestand geht.

 

Es ist nicht ganz leicht, hier im Rat die richtigen Worte zu finden. Ein einfaches „Danke“ reicht jedenfalls nicht aus. Wir haben zusammen…

… gearbeitet, bisweilen auch nachts, im Urlaub oder am Wochenende,

… gerungen, um den richtigen Weg, um gute Lösungen oder um vertretbare Kompromisse

… diskutiert und gestritten, wenn es mehr als eine Meinung gab,

… gelitten, in den vielen Krisen und bei traurigen Anlässen,

… aber wir haben auch an jedem Tag gefühlt einmal gelacht.

 

Lieber Thomas,

 

du warst nicht nur mein Persönlicher Referent, sondern auch Sparringspartner, Frühwarnsystem, Ratgeber, Ideenquelle, Krisenmanager, Motivator, Redenschreiber, Hirte, Counterpart und manchmal auch Trostspender und Geduldsengel.

 

Wir haben uns durch zahllose inspirierende oder herausfordernde Sitzungen, durch unzählige Beschlussvorlagen und noch mehr Meinungen gekämpft. Du hast es verstanden, nicht die Nerven zu verlieren, sondern den Überblick zu behalten und mich unfallfrei durch den alltäglichen Wahnsinn zu begleiten.

 

Es war ein Glücksfall, diesen Weg mit dir zu gehen. In deiner Funktion warst du für mich wichtig und hast mich persönlich wie auch meine Arbeit entscheidend mitgeprägt. Deshalb gebührt dir nicht nur mein persönlicher Dank, sondern unser aller Dank hier im Rat. Danke also für elfeinhalb Jahre klugen Rat, großen Einsatz und auch unverbesserlichen trockenen Humor. Möge dein nächstes Kapitel dir weniger Termine, weniger Sitzungen und weniger Aufregung, aber mindestens genauso viel Lebensfreude bereithalten.

 

Mach‘s gut, alter Gauner. Es war mir eine Freude.“.

 

[Anmerkung der Schriftführung:

Im Anschluss an die Ehrungen und Verabschiedungen wurde die Sitzung von 16:00 Uhr bis 16:10 Uhr für eine Beratungspause unterbrochen.]