04.12.2024 - 3.5 Straftaten gegen Seniorinnen und Seniore...

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Wortprotokoll

Frau Engelhardt begrüßt zu diesem Tagesordnungspunkt Frau Rychlik von der Polizei Hagen aus dem Kriminalkommissaritat für Kriminalprävention und Opferschutz.   

 

Frau Rychlik berichtet, dass ihre Diensstelle keine Täterermittlung und Strafverfolgung mache, sondern eine Dienststelle für Vor- und Nachsorge sei. Sie beschreibt die verschiedenen Tätigkeitsbereiche ihrer Dienststelle. In dem heutigen Bericht gehe es um Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. 

Da gebe es beispielsweise den Telefonbetrug in Form von Schockanrufen, der leider immer noch funktioniere. Sie gehe davon aus, dass nicht jede Tat angezeigt würde. Sie beschreibt den Ablauf solcher Anrufe. Ihre Dienststelle habe sich diesbezüglich mit den Sparkasssen und anderen Kreditinstituten kurzgeschlossen. Es gebe jetzt Umschläge, in die das Geld gesteckt würde, die mit einigen Fragen versehen seien. Wenn der Betroffene zwei oder mehrere dieser Fragen mit bejahen könne, solle er sofort die Telefonnummer 110 wählen.  

Es sei schon viel Aufklärungsarbeit im Hinblick auf die Schockanrufe geleistet worden. Dennoch fielen immer wieder Menschen darauf herein.

Sie berichtet von weiteren Betrugsmaschen. Diese würden aktuellen Gegebenheiten angepasst. Wichtig sei es, Menschen deutlich zu machen, dass man sehr hellhörig werden sollte, wenn es um Geld ginge. Es gebe in der Regel immer noch genug Zeit, um sich mit irgendjemanden zu besprechen. Die Polizei würde niemals anrufen, um nach Geld zu fragen.  

Es sei auch immer zu empfehlen, keine großen Geldbeträge zu Hause zu haben. 

Besonders gefährlich seien immer neue Maschen, die noch nicht bekannt seien.

Gefährlich seien auch Trickbetrüger, die vor der Haustür stünden. Man solle die Menschen dafür sensibilisieren, was man dann für Möglichkeiten habe. Habe man beispielsweise die Möglichkeit, vorher aus dem Fenster zu schauen, um zu sehen, wer vor der Haustür stehe oder gebe es eine Gegensprechanlage oder einen Spion? Trickbetrüger, die sich als Handwerker ausgeben würden, erklärten, dass es sich um einen Notfall handele und sie ganz dringend im Haus etwas prüfen müssten. Wenn sie damit erfolgreich seien, würden sie im Haus oder in der Wohnung nach Wertgegenständen suchen, während der Wohnungs- oder Hausinhaber beispielsweise beauftragt würde, zu schauen, ob sich das Wasser aufgrund eines Wasserrohrbruchs braun verfärbe.

Sie schildert einen Fall, in dem sich der Trickbetrüger als Mitarbeiter eines Pflegedienstes ausgegeben habe und erklärt habe, er müsse die Pflegestufe überprüfen und so in die Wohnung gelangt sei. Auch das Zeigen eines Dienstausweises sei nicht hilfreich, weil man in der Regel nicht wisse, wie so ein Ausweis aussehe. Einen solchen Ausweis könne man sich auch selbst basteln.

Gut sei ein Kastenzusatzschloss mit Sperrbügel, dass man die Möglichkeit habe, die Tür nur einen Spalt zu öffnen. Wenn ein Mensch aufgrund seiner Körpergröße den Türspion nicht nutzen könne, seien digitale Türspione zu empfehlen, die man ohne Aufwand einbauen könne. Dann könne man auf einem Display sehen, wer vor der Tür stehe.

Grundsätzlich solle man niemanden ins Haus oder in die Wohnung lassen, den man nicht bestellt habe, den man nicht kenne oder der nicht durch die Hausverwaltung angemeldet wurde. An der Tür solle auch nichts gekauft werden und es sollten keine Verträge abgeschlossen werden. Immer, wenn man sich einer Sache nicht sicher sei, solle man sich rückversichern.

Weiterhin beschreibt sie die Gefahren, die älteren Menschen unterwegs drohen. Es sollte immer nur das mitgenommen werden, was man benötige. Bei der Suche nach Kleingeld im Beisein von Dritten für eine Spende oder zum Wechseln bestehe die Gefahr, dass die Täter unbemerkt die Geldscheine aus der Geldbörse entwendeten. 

Das Geld sollte am Körper getragen werden. Überall da, wo es eng würde, sollte man besonders gut aufpassen. Es sollten Wege gewählt werden, die nicht einsam und überschaubar seien. Es gebe ein Alarmgerät, das sehr laut sei, um die Aufmerksamkeit anderer Menschen in der Umgebung zu wecken.

Pfefferspray sei nicht zu empfehlen, da die Gefahr bestehe, dass es gegen einen selbst verwendet werde. Wenn an der Tasche gerissen werde, solle man diese loslassen und nicht darum kämpfen, da die Gefahr eines Sturzes bestehe.

Im Umgang mit dem Internet sollen sich ältere Menschen zeigen lassen, worauf man achten solle. Bei der Weitergabe von persönlichen Daten sollte man besonders vorsichtig sein.

Sie weist abschließend darauf hin, dass sie zu dem Thema Informationsmaterial mitgebracht hätte. Falls davon noch etwas benötigt werde, könne man sie gern kontaktieren.

 

Frau Engelhardt dankt Frau Rychlik für den interessanten Vortrag.

 

Herr Severcan fragt, welche Lösungen es für Menschen mit Sprachbarrieren gebe.

 

Frau Rychlik rät, in dem Fall die Tür nicht zu öffnen und niemanden ins Haus zu lassen. Es bestehe immer die Möglichkeit, die Nummer 110 anzurufen.

 

Frau Engelhardt fragt, wie die Betrüger an die Handynummern gelangten.

 

Frau Rychlik berichtet, dass diese gekauft oder ausprobiert würden. Der Kauf der Nummern  sei sogar rechtmäßig.            

 

Frau Dr. Dreyer-Sudhoff beschreibt eine Erfahrung im eigenen Familienkreis, in der die Informationen der Namen der Angehörigen einer aufgegebenen Traueranzeige entnommen worden und dann in einem Schockanruf verwendet worden seien.

 

Auf die Frage von Herrn Schmidt bestätigt Frau Rychlik, dass der vorgestellte Taschenalarm im Ernstfall möglichst ein oder zwei Meter weit weg geworfen werden solle, um andere Mensche auf sich aufmerksam zu machen.